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Nationales Verzeichnis

 

Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft

Pflanzen stehen am Beginn der Nahrungskette und stellen die Basis – ob direkt oder über die tierische Verwertung genutzt – für unsere Ernährung dar. Darüber hinaus dienen sie diätetischen und pharmazeutischen Zwecken. Sie sind aber auch Lieferanten für Grund- und Wertstoffe. Nicht zuletzt erfüllen Pflanzen in der Umwelt weitere Aufgaben (Landschaftsgestaltung, Schutz vor Bodenerosion etc.).

Unter Pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft versteht man jedes genetische Material pflanzlichen Ursprungs, das einen tatsächlichen oder potenziellen Wert für Ernährung und Landwirtschaft hat.

Die AGES erhält diese pflanzengenetischen Ressourcen im Sinne der Ernährungssicherung, damit sie nicht unwiederbringlich verloren gehen und für die Nutzung, Forschung und Züchtung zur Verfügung stehen.

Erhaltung Pflanzengenetischer Ressourcen
Die verschiedenen Herkünfte pflanzengenetischer Ressourcen (PGR) enthalten verschiedene genetische Informationen. Damit diese nicht verloren gehen, ist daher die Aufgabe der Genbank, die Lebensfähigkeit zu bewahren. Pflanzen können entweder in ihrem natürlichen Lebensraum bzw. in dem Lebensraum wofür sie bestimmt sind, oder in eigens dafür vorgesehen Einrichtungen oder Plätzen erhalten werden. 


Ex-situ Erhaltung von Pflanzengenetischen Ressourcen

Werden genetische Ressourcen nicht innerhalb, sondern außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes erhalten (z.B. in einem für die Genbank angelegten Vermehrungsfeld, sowie in einem Gefrierlager), so spricht man von „ex situ – Erhaltung“. Die Erhaltung wird – wo es möglich ist – in Form von Samen durchgeführt. Vegetativ zu vermehrende Arten werden in einer von der Genbank angelegten Parzelle erhalten (viele Heil- u. Gewürzkräuter, Gemüsearten). 

Die meisten landwirtschaftlichen Arten werden aber in Form von Samen, welche schonend getrocknet wurden, gelagert. Zum einen in einem Langzeitlager bei -20°C, zum anderen ein zweites Muster bei Kellertemperatur in einem Lager zur Bearbeitung und Weitergabe von Mustern (so genannte „Arbeitssammlung“). Nicht zuletzt wird ein weiteres Muster in einem Langzeitlager bei einer anderen Genbank zur Sicherung (Sicherheitslager) verwahrt. In der AGES-Genbank in Linz sind derzeit ca. 5000 Muster eingelagert. Das Langzeitlager fungiert weiters auch für andere Genbanken im In- und Ausland als Sicherheitslager.


In-situ / on farm Erhaltung

Die In situ – Erhaltung ist die Erhaltung unter den natürlichen Lebensbedingungen. Für Wildpflanzen bedeutet dies die Erhaltung des Habitats, so kann auch die Art erhalten werden. Bei vom Mensch geschaffenen bzw. beeinflussten Arten bzw. Sorten, bedeutet die in situ-Erhaltung die Erhaltung unter den Bedingungen, wofür sie geschaffen wurden. So ist die in situ Erhaltung von z.B. Landsorten oder Zuchtsorten eine Erhaltung am Bauernhof, also eine on farm-Erhaltung.

Bei dieser Erhaltung besteht ein Einfluss von natürlichen, sondern auch von andern Rahmenbedingungen (z.B. Art der Bewirtschaftung), sodass mögliche Veränderungen des genetischen Materials bzw. des Genpools zu beachten sind.

Die AGES führt eine Genbank für landwirtschaftliche Kulturpflanzen einschließlich von Heil- und Gewürzkräutern. Auf Bundesebene werden Obst und Wein von der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, Gemüse von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn sowie Futterpflanzen vom Lehr- und Forschungszentrum Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein erhalten. Darüber hinaus hält die Universität für Bodenkultur sowie die Höhere land- und forstwirtschaftliche Schule St. Florian/Linz. Auf Landesebene sind das Amt der Tiroler Landesregierung, das Landesversuchszentrum Steiermark, Landesversuchszentrum Haidegg, Landwirtschaftliche Fachschule Warth sowie die Landwirtschaftskammer Kärnten aktiv. Auf dem privaten Sektor erhalten bzw. beschäftigen sich insbesondere Züchterfirmen (Saatzucht Donau, Saatzucht Edelhof, Saatzucht Gleisdorf, NÖ Saatbaugenossenschaft), NGO’s bzw. Vereine (Arche Noah, Hortus, u. a.) mit PGR bzw. erhalten diese.


Genbanken außerhalb Österreichs

In fast allen Ländern gibt eine oder mehrere Genbanken. Sie führen in der Regel darüber auch öffentlich zugängliche Datenbanken. Gesammelte Informationen für pflanzengenetische Ressourcen von ganz Europa findet man im europäischen Suchkatalog EURISCO.
http://eurisco.ecpgr.org/home_page/home.php


Gesetzliche Grundlagen

Mit der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) haben sich bereits 168 Staaten (darunter auch Österreich, BGBl. 213/1995) verpflichtet, ihre genetischen Ressourcen zu erhalten.

Im Rahmen des Internationalen Vertrages über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture – ITPGRFA) nimmt auch Österreich (BGBl. Teil III, Nr. 98/2006) am erleichterten Austausch von Pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft sowie am Vorteilsausgleich im Rahmen des Multilateralen Systems teil. Neben der Europäischen Union haben insgesamt 117 Staaten diesen Vertrag bereits ratifiziert. Durch die Ratifizierung dieser Verträge und Verlautbarung im Bundesgesetzblatt hat sich auch Österreich zur Erhaltung und Weitergabe von genetischem Material verpflichtet. Damit ist ein erleichterter Materialaustausch zwischen diesen Staaten möglich. Der Materialaustausch von pflanzengenetischen Ressourcen von der im Anhang I dieses Vertrages genannten Arten erfolgt auf Basis eines standardisierten Materialtransferübereinkommens.

Im Bundesgesetz über die Bundesämter für Landwirtschaft und die landwirtschaftlichen Bundesanstalten wurden diese Einrichtungen des Bundes zur Erhaltung der ihrem Fachgebiet betreffenden genetischen Ressourcen beauftragt.

Für die Erhaltung von wildlebenden Pflanzenarten sehen die Naturschutzgesetze der Länder Schutzbestimmungen vor. So dürfen z.B. unter Schutz gestellte Arten nicht ausgegraben bzw. entfernt werden. Bei diesen Arten bzw. Pflanzen ist daher eine Weitergabe im Sinne der oben genannten internationalen Verträge nicht möglich. Darüber hinaus sind auch Pflegemaßnahmen für die Erhaltung bestimmter Habitate vorgesehen.

Zusammenarbeit im Rahmen der FAO
Das Institut „Bioversity International“ (früherer Name „International Board for Plant Genetic Resources – IBPGR) ist eine bei der FAO eingerichtete Plattform für PGR und seit Beginn der 1980er Jahre auf dem Gebiet der pflanzengenetischen Ressourcen tätig. So wurden einheitliche Beschreibungsgrundlagen (Descriptoren) erarbeitet, Datenbanken aufgebaut und Handbücher sowie Publikationen auf diesem Gebiet veröffentlicht. Seit 2006 trägt diese Organisation den Namen „Bioversity International“. Sie stellt die Drehscheibe für die Aktivitäten bei den PGR weltweit dar.

www.bioversityinternational.org 

Die 15 internationalen Agrarforschungszentren (Consultative Group on International Agricultural Research – CGIAR) sind eine globale Einrichtung zur Unterstützung der Ernährungssicherung die auch Genbanken führen. Das erhaltene Material ist in der SINGER-Datenbank einsehbar.

http://cgiar.org  und  http://singer.grinfo.net

Daneben gibt es in bestimmten Regionen weitere Netzwerke, z. B. das Eastern Africa Plant Genetic Resources Network (EAPGREN). http://www.asareca.org/eapgren


Europäisches Netzwerk für Pflanzengenetische Ressourcen
„European Cooperative Programme for Plant Genetic Resources” – ECPGR. An diesem Netzwerk nehmen derzeit neben Österreich 40 Staaten (europäische und Israel) teil. Die Tätigkeit ist in 6 Netzwerken für Kulturarten und in 3 thematische Netzwerke gegliedert. Das Sekretariat wird von Bioversity International bereitgestellt.

Im Rahmen dieses Netzwerkes erfolgt fachlicher Austausch, koordinierte Vorgangsweise bei der Dokumentation und Evaluierung von PGR sowie die Führung eines europäischen Suchkataloges für PGR.

http://www.ecpgr.cgiar.org

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